Kurzdarstellung der Demokratiematrix

Die Demokratiematrix ist ein Messinstrument zur Bestimmung der Demokratiequalität von Staaten weltweit und deckt den Zeitraum von 1900 bis 2017 (Stand Oktober 2018)ab. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die Demokratiematrix gegeben werden, eine detailliertere Beschreibung des Konzeptes der Demokratiematrix findet sich dagegen hier.


3 Dimensionen

Die Demokratiematrix bezieht ihre Stärke zu einem Großteil aus der umfangreichen demokratietheoretischen Reflexion und tiefen Verankerung im Forschungsstand. Dieses Demokratieverständnis umfasst die Dimensionen politische Freiheit, politische Gleichheit sowie politische und rechtliche Kontrolle. Während politische Freiheit die Möglichkeit gibt, sich uneingeschränkt am politischen Prozess zu beteiligen, und somit eine aktive Komponente darstellt, wird politische Gleichheit „im Sinne der Gleichbehandlung als passive Komponente“ konzipiert. Kontrolle wiederum richtet sich vornehmlich auf die Regierungsinhaber. Rechtliche Kontrolle erfolgt anhand eines rechtsstaatlichen und verfassungsrechtlichen Rahmens, während die politische Kontrolle sich an weicheren Kriterien wie Effizienz und politischen Zielsetzungen orientiert.


5 Institutionen

Demokratietheoretisch können fünf Institutionen unterschieden werden, die für die Bestimmung der Demokratiequalität zentral sind und die deshalb von der Demokratiematrix untersucht werden. Bei der Institution der Entscheidungsverfahren liegt der Fokus auf der demokratischen Qualität von Wahlen. Intermediäre Vermittlung untersucht die Funktionsweise der Interessenaggregation und –artikulation von Parteien, Interessengruppen und Zivilgesellschaft. Kommunikation/Öffentlichkeit analysiert die Demokratiequalität zum einen des öffentlichen Kommunikationsraumes und zum anderen der Medien. Zudem umfasst die Rechtsgarantie die Untersuchung der Gerichte und des Rechtsstaates. Schließlich wird bei der letzten Institution Regelsetzung und -anwendung der Blick auf die demokratische Ausprägung der Regierung bzw. Parlaments sowie der Gewaltenteilung im politischen System selbst gelegt.


15 Matrixfelder

Die Dimensionen Freiheit, Gleichheit sowie Kontrolle lassen sich mit den fünf Institutionen Entscheidungsverfahren, Intermediäre Vermittlung, Kommunikation/Öffentlichkeit, Rechtsgarantie sowie Regelsetzung und –anwendung kombinieren, so dass insgesamt 15 für die Untersuchung der Demokratiequalität relevante Matrixfelder entstehen, welche von der Demokratiematrix analysiert werden. Eine Beschreibung der Komponenten und Subkomponenten der einzelnen Matrixfelder in Form von Konzeptbäumen findet sich hier.


3 Messebenen

Zudem bietet die Demokratiematrix drei verschiedene Messebenen an, die unterschiedliche Perspektiven auf die Demokratiequalität eines Landes bieten: die reine Merkmalsmessung, die Kontextmessung sowie die Trade-off-Messung. Die Merkmalsmessung befasst sich nur mit der Funktionsweise zentraler demokratischer Institutionen und stellt die Ausgangsmessung dar. Die Kontextmessung geht über diese Merkmale hinaus und betrachtet die Einbettung dieser demokratischen Institutionen in sozio-kulturelle Kontexte, welche die Wirkungsweise dieser Institutionen unterminieren. So führt Korruption in der Exekutive und Legislative nicht nur zu einer Verfälschung der Entscheidungsprozesse sondern auch zu Verzerrungen bei der Umsetzung von Gesetzen und Recht. Schließlich werden demokratische Zielkonflikte mit Hilfe der Trade-off-Messung aufgegriffen. Die Dimensionen Freiheit, Gleichheit sowie Kontrolle lassen sich nicht im Sinne einer perfekten Demokratie alle gleichzeitig maximieren, sondern demokratische Systeme stehen vor der Entscheidung, welcher dieser Dimensionen sie zu Lasten anderer Dimensionen bevorzugen möchten. So lassen sich libertäre, egalitäre sowie kontroll-fokussierte Demokratien differenzieren.


Qualitäts- und Demokratieprofile

Während die Merkmals- sowie Kontextmessung sich in Qualitätsprofilen niederschlagen, erlaubt die Trade-off-Messung erstmals das Erzeugen von Demokratieprofilen.

Qualitätsprofile lassen sich entlang eines Regimekontinuums abbilden, an dessen Enden Autokratien und funktionierende Demokratien stehen. Autokratische Regime zeichnen sich dadurch aus, dass die Ausprägung der Dimensionen und die Funktionsfähigkeit der demokratischen Institutionen nicht bis lediglich schwach gegeben sind. Die Bürger besitzen weder Freiheits- noch Gleichheitsrechte und sie können auch keine effektive Kontrolle gegenüber den Regierenden ausüben. Funktionierende Demokratien dagegen weisen hohe demokratische Ausprägungen der Dimensionen als auch Institutionen auf. Um auch politische Systeme, die im Grenzbereich zwischen diesen zwei Regimen liegen, sinnvoll zu klassifizieren, werden zudem hybride Regime und defizitäre Demokratien unterschieden. Defizitäre Demokratien sind zwar im Bereich der Demokratien angesiedelt, allerdings weisen sie in bestimmten Dimensionen und/oder Institutionen Defizite auf, so dass sie nicht mehr als funktionierend gelten können. Hybride Regime hingegen besitzen gleichzeitig autokratische und demokratische Dimensionen bzw. Institutionen und vereinen damit konfligierende Regimeausprägungen.

Schließlich ist die Demokratiematrix in der Lage, mit Hilfe der Trade-off-Messebene Demokratieprofile zu messen. Mit Blick auf die Dimensionen, lassen sich libertäre, egalitäre und kontroll-fokussierte Demokratien konzeptionell unterscheiden.


Lange Zeitreihe, viele Länder

Die Messung basiert auf einer gezielten Auswahl von Daten des Varieties-of-Democracy-Projekts (V-Dem), die eine große empirische Reichweite des Messinstruments garantieren. V-Dem bietet einen riesigen Fundus an verschiedensten Indikatoren, welche die Demokratiematrix nutzt, um wesentliche Komponenten und Subkomponenten der Demokratiequalität abzubilden. Zudem decken die erhobenen Daten einen langen Zeitraum von 1900 bis derzeit 2017 für ca. 200 Länder ab. Die Zuordnung der V-Dem-Indikatoren zu den Komponenten und Subkomponenten der einzelnen Matrixfelder findet sich hier. Dabei entspricht der Skalenwert 0 einem autokratischen System, der Wert 1 einer umfassend funktionierenden Demokratie.


Demokratietheoretisch fundierter, disaggregierter und differenzierter

Die Demokratiematrix basiert auf einer stark in der Demokratietheorie fundierten Demokratiekonzeption, die weder – wie bei anderen Demokratiemessinstrumente – zu minimalistisch noch zu maximalistisch ausfällt. Die Unterscheidung von 15 Matrixfeldern, die sich durch die Kombination von fünf zentralen demokratischen Institutionen und drei Dimensionen ergeben, sowie drei Messniveaus erlauben gegenüber anderen Messinstrumenten, die meist Transformationsprozesse nur auf einem grob aggregierten Level sichtbar machen können, eine stark disaggregierte und differenzierte Messung der Demokratiequalität. Ebenso garantiert der lange Messzeitraum, dass der Wandel der Defizite in einzelnen Teilbereichen der Demokratie beobachtet werden kann. Schließlich werden neben den vier Qualitätsprofilen erstmals mit der Einbindung von Trade-offs Demokratieprofile sichtbar.