Publikationen

Lauth, Hans-Joachim und Oliver Schlenkrich. 2021. Demokratie unter populistischer Herrschaft: Verändert sich die Qualität der Demokratie? In: Muno, Wolfgang und Christian Pfeiffer (Hrsg.): Populismus an der Macht, 23-59. Wiesbaden: Springer.

Die Wirkungen des Populismus auf die Demokratie werden kontrovers diskutiert. Der Beitrag analysiert die Effekte populistischer Herrschaft auf die Qualität der Demokratie. Nach der Klärung der Grundbegriffe Populismus und Demokratie stellen wir die Wirkungsbezüge zusammen, mit denen positive und negative Effekte verbunden werden. Die Beziehungen werden anhand von Hypothesen gebündelt. Da wir davon ausgehen, dass sich die Wirkungen nicht pauschal auf die Demokratie auswirken, untersuchen wir die Effekte mithilfe einer differenzierten Demokratiemessung. Durch den Einsatz der Demokratiematrix entsteht ein spezifisches Profil, das zeigt, in welchen Bereichen die Qualität der Demokratie am stärksten bzw. am wenigsten beeinträchtigt oder korrigiert wird. Bei der Fallauswahl wird auf eine Literaturanalyse zurückgegriffen, um populistische Akteure wie Parteien und Präsidenten zu identifizieren. Das methodische Vorgehen beruht dann auf einer (Bayesianischen) Time-Series Cross-Sectional Analyse, um kurzfristige und langfristige Effekte einer populistischen Opposition, eines populistischen Kabinettpartners sowie einer populistischen Regierungsführung auszumachen. Nach der Präsentation der empirischen Befunde werden die Hypothesen ausgewertet. Abschließend wird die Wirkung des Populismus auf die Entwicklung der Qualität der Demokratie diskutiert.

Replilkationsdatensatz und -skript

Lauth, Hans-Joachim und Lukas Lemm. 2021: Direkte Demokratie und die Qualität der Demokratie. In: Heußner, Hermann K, Arne Pautsch und Fabian Wittreck (Hrsg.): Direkte Demokratie - Festschrift für Otmar Jung, 563-592. Stuttgart: Richard Boorberg Verlag.

Der Beitrag gibt einen Überblick zu bestehenden Messkonzepten der direkten Demokratie und der Qualität der Demokratie. Damit verbunden ist eine Reflektion der messtheoretischen Grundlagen und Vorgehensweisen, welche zwischen beiden erheblich divergieren. Der Schwerpunkt liegt auf einer empirischen Prüfung des Zusammenhangs zwischen der Qualität der Demokratie und der direkten Demokratie. Entgegen theoretischer Annahmen präsentiert sich dieser als eher schwach und inkonsistent. Für künftige Forschungsarbeiten erscheint es daher ertragreich, sich mit spezifischen Elementen beider Konzepte zu befassen und diese in Beziehung zu setzen, um einer Verzerrung der Ergebnisse vorzubeugen.

 

Lauth, Hans-Joachim. 2021. Die globale Entwicklung der Gewaltenteilung. In: Mayer, Tilman und Paul-Ludwig Weinacht (Hrsg.): Gewaltenteilung: Grundsätzliches – Historisches – Aktuelles, 191-208. Stuttgart: Franz Steiner-Verlag.

Gewaltenteilung ist im Zuge der modernen politischen Entwicklungen als Frage der Accountability zu fassen, deren Vielschichtigkeit sich in der Dimension der Kontrolle bündeln lässt. Im 20sten Jahrhundert bis 2020 ist eine Zunahme der Kontrolldimension beobachten, die erwartungsgemäß in gewaltenteiligen Demokratien deutlich höher liegt als in Autokratien. Dabei entwickeln sich die einzelnen Kontrollelemente durchaus unterschiedlich. Mit der dritten Welle der Demokratisierung ab den 1970er Jahren ist ein deutlicher Aufschwung der Kontrolle durch Medien festzustellen, der ab 1990 auch in autoritäre Staaten ausstrahlt. Während diese Kontrolle durch Medien in funktionierenden Demokratien relativ stabil auf hohem Niveau bleibt, sinkt sie in defizitären Demokratien in den letzten zwanzig Jahren. Im Befund bleibt festzuhalten, dass sich im historischen Verlauf die Ausprägung der Kontrollkomponenten verschoben haben. Waren in den Demokratien zu Beginn des 20sten Jahrhunderts maßgeblich die institutionellen Verfahren der klassischen Gewaltenteilung wirksam, so ist in den jungen Demokratien vor allem die Kontrolle durch Medien und Zivilgesellschaft virulent. Es erscheint aus dieser Perspektive leichter, grundlegende demokratische Verfahren einzuführen als rechtsstaatliche Prinzipien zu etablieren. Aber dieser Prozess hatte auch in Europa eine lange Vorgeschichte. Jedenfalls erscheint es für politische Machthaber attraktiver, Wahlen zuzulassen als sich einer ständigen und effektiven institutionellen Kontrolle auszusetzen.

Lauth, Hans-Joachim, Oliver Schlenkrich und Lukas Lemm. 2021. Different types of deficient democracies: Reassessing the relevance of diminished subtypes. International Political Science Review. Online First.

Typologies are widely applied tools in democracy research. There are two prominent ways of constructing subtypes of democracies: whereas the classical approach adds traits successively to gain regular subtypes, the radial approach subtracts traits from the concept to obtain diminished subtypes. Conceptually, we argue that radial types have distinct advantages over the classical approach. Diminished subtypes can deal with complex concepts with multiple interrelated dimensions without a clear hierarchy and can account for the gradual nature of political phenomena. We derive three diminished subtypes of democracy: illiberal, inegalitarian and unaccountable democracies. The empirical analysis draws on a customized version of the new Varieties of Democracy dataset. Contrary to the dominating criticism of the radial delusion by the classical approach, an elaborate cluster analysis with a strong focus on validation and robustness checks can identify empirically the deductively proposed diminished subtypes of democracies which could not be demonstrated so far.

Replilkationsdatensatz und -skript

Schlenkrich, Oliver. 2019. Identifying Profiles of Democracies: A Cluster Analysis Based on the Democracy Matrix Dataset from 1900 to 2017. Politics and Governance 7 (4): 315–330.

Open Access

This study examines types of democracies that result from trade-offs within the democratic quality. Recently, the existence and relevance of trade-offs has been widely discussed. The idea is that the functions associated with the quality of democracy cannot all be maximized simultaneously. Thus, trade-offs are expressed in distinct profiles of democracy. Different profiles of democracy favour certain democracy dimensions over others due to their institutional design. Conceptually, we differentiate between four different democracy profiles: a libertarian-majoritarian (high political freedom, lower political equality, and lower political and legal control values), an egalitarian-majoritarian (high equality combined with lower freedom and control values), as well as two control-focused democracy profiles (high control values either with high degrees of freedom or high degrees of equality). We apply a cluster analysis with a focus on cluster validation on the Democracy Matrix dataset—a customized version of the Varieties-of-Democracy dataset. To increase the robustness of the cluster results, this study uses several different cluster algorithms, multiple fit indices as well as data resampling techniques. Based on all democracies between 1900 and 2017, we find strong empirical evidence for these democracy profiles. Finally, we discuss the temporal development and spatial distribution of the democracy profiles globally across the three waves of democracy, as well as for individual countries.

Replilkationsdatensatz und -skript

Lauth, Hans-Joachim und Oliver Schlenkrich. 2018. Making Trade-Offs Visible: Theoretical and Methodological Considerations about the Relationship between Dimensions and Institutions of Democracy and Empirical Findings. Politics and Governance 6 (1): 78–91.

Open Access

Whereas the measurement of the quality of democracy focused on the rough differentiation of democracies and autocracies in the beginning (e.g. Vanhanen, Polity, Freedom House), the focal point of newer instruments is the assessment of the quality of established democracies. In this context, tensions resp. trade-offs between dimensions of democracy are discussed as well (e.g. Democracy Barometer, Varieties of Democracy). However, these approaches lack a systematic discussion of trade-offs and they are not able to show trade-offs empirically. We address this research desideratum in a three-step process: Firstly, we propose a new conceptual approach, which distinguishes between two different modes of relationships between dimensions: mutual reinforcing effects and a give-and-take relationship (trade-offs) between dimensions. By introducing our measurement tool, Democracy Matrix, we finally locate mutually reinforcing effects as well as trade-offs. Secondly, we provide a new methodological approach to measure trade-offs. While one measuring strategy captures the mutual reinforcing effects, the other strategy employs indicators, which serve to gauge trade-offs. Thirdly, we demonstrate empirical findings of our measurement drawing on the Varieties of Democracy dataset. Incorporating trade-offs into the measurement enables us to identify various profiles of democracy (libertarian, egalitarian and control-focused democracy) via the quality of its dimensions.

Lauth, Hans-Joachim und Oliver Schlenkrich. 2018. Demokratie in komplexen Gesellschaften. Demokratieprofile – Responsivität – Populismus. In: Mannewitz, Tom [Hrsg.]: Die Demokratie und ihre Defekte, 145-168. Wiesbaden: VS-Verlag.

Die Komplexität und Heterogenität der Gesellschaft verstärken sich in vielfacher Weise. Damit steigen die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit politischer Systeme. Für die Demokratien sind vor allem zwei Aufgaben zu lösen: Erstens sollen sie trotz komplexer Problemlagen in der Lage sein, angemessene Entscheidungen zu treffen und Lösungen zu finden. Zweitens sollen sie die Integration der Gesellschaft sichern. In unserem Beitrag diskutieren wir, welche institutionelle Ordnung sich dafür am geeignetsten zeigt. Dazu greifen wir mit der Unterscheidung von Mehrheits- und Konsensdemokratie zwei Demokratieprofile auf. In der theoretischen Diskussion scheint Konsensdemokratie dabei die attraktivere Lösung zu sein. Doch zugleich besteht die Möglichkeit, dass sie – nicht intendiert – zur Förderung populistischer Parteien beiträgt. Auch Befunde empirischer Forschung unterstützen diese Sichtweise. Doch lassen sich zugleich Zweifel benennen. Daher überprüfen wir diesen Zusammenhang mit einer innovativen Modellierung, die Individualebene und Strukturdaten verbindet. Untersucht werden politische Einstellungen (Empfänglichkeit für Populismus), die Wahl von populistischen Parteien und die Ausprägung des Regierungssystems (Konsens- vs. Mehrheitsdemokratie) in 20 Ländern. In der Analyse zeigt sich, dass das Demokratieprofil zwar keinen direkten Effekt auf die Wahl populistischer Parteien besitzt, aber Befragte in Mehrheitsdemokratien scheinen empfänglicher für Populismus zu sein. In der Diskussion werden weitere Kontrollvariablen geprüft, die letztlich die Attraktivität von Konsensdemokratien als Demokratieprofil in komplexen Gesellschaften unterstreichen.

 

Lauth, Hans-Joachim. 2016. The Internal Relationships of the Dimensions of Democracy: The Relevance of Trade-Offs for Measuring the Quality of Democracy, in: International Political Science Review 37, S. 606-617.

Definitions of democracy almost always refer to dimensions. An important question arises about the internal relationships between them. This article presents arguments in favor of the ideas of mutual reinforcement as well as of intrinsic tensions or trade-offs. A well-known example of these kinds of trade-offs is the complex relationship between liberty and equality. Surprisingly, trade-offs are not reported when measuring democracy. The article identifies the basic methodological problem and develops a new strategy for evaluating the indicators which makes trade-offs visible in the empirical research. The proposal combines two measurement strategies, arguing that in addition to established measurements of democracy, a further measurement to assess trade-offs should be employed.

Lauth, Hans-Joachim. 2015. The Matrix of Democracy: A Three-Dimensional Approach to Measuring the Quality of Democracy and Regime Transformations, Würzburger Arbeitspapiere zur Politikwissenschaft und Sozialforschung (WAPS) Nr. 6.

Open Access

The article presents a proposal for the assessment of the quality of democracy. After elaborating on the methodological strategy, a definition of democracy is proposed, which entails the construction of the matrix of democracy based on three dimensions (political freedom, political equality, and political and judicial control) and five institutions. The methodological application of this measuring tool is then explained. This conception guarantees an appropriate measurement in different cultural contexts, enables the characterization of democratic profiles, and allows for the identification of deficiencies in democracies. Before the conclusion, three examples of the measurement (USA, Russia, and Italy) illustrate how the matrix works.

Lauth, Hans-Joachim. 2004. Demokratie und Demokratiemessung. Eine konzeptionelle Grundlegung für den interkulturellen Vergleich. Wiesbaden: VS Verlag.

Diese Arbeit verknüpft die theoretische Demokratiediskussion mit dem neuen Forschungsgebiet der Demokratiemessung. Zwei zentrale Fragen liegen der Untersuchung zugrunde: (1) Wann ist ein politisches System als Demokratie zu verstehen? (2) Wie demokratisch ist eine bestehende Demokratie? Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Das erste Kapitel verfolgt das Ziel, ein angemessenes Modell der Demokratie zu entwickeln, das erlaubt, ihre Qualität im interkulturellen Vergleich zu beurteilen. Im zweiten Kapitel wird mittels des Einbezugs von Institutionen der Weg der Operationalisierung beschritten. Zu prüfen ist hierbei, inwieweit diese "informellen Institutionen" kompatibel mit der Demokratie sind oder als Indikator für Störungen gewertet werden müssen. Im Zentrum des dritten Kapitels steht die Auseinandersetzung mit den Grenzen und Möglichkeiten der Demokratiemessung. Auf der Grundlage der Diskussion der gängigen Messkonzepte (Polity, Freedom House, Vanhanen, democratic audit) wird ein eigener Messvorschlag entwickelt, mit dessen Hilfe das Maß beziehungsweise die Qualität der Demokratie in ihren Dimensionen gemessen werden kann. Die Arbeit verfolgt somit drei grundlegende Ziele: (1) Die Konstruktion eines Demokratiemodells für den inter-kulturellen Vergleich, (2) die Identifizierung zentraler Institutionen der Demokratie unter Einbezug der Relevanz informeller Institutionen und drittens (3) die Entwicklung einer Messanlage zur empirischen Bestimmung von Demokratien.